Amecameca

Nach drei Tagen in Mexiko-Stadt brauchten wir heute mal etwas Natur um uns rum. Da wir hofften, doch noch einen Blick auf den Popocatépetl erhaschen zu können, sind wir mit dem Bus nach Amecameca gefahren. Die Webcam dort verhieß nichts Gutes, aber wir hofften auf unser Glück und einen aufreißenden Himmel.

Nach eineinhalb Stunden Fahrt empfingen uns tief hängende Wolken und ein Ort, der heute nicht mit Besuchern gerechnet hat. Was am Wochenende wie am Schnürchen klappt, nämlich der Transport zu den Vulkanen, war für heute nicht geplant. Wir beschäftigten drei Leute der Touristeninformation. Wir suchten nach einer Möglichkeit, zum Paso de Cortes zu fahren, um wenigstens etwas in Vulkannähe zu wandern. Am Ende bot sich ein 73-jähriger Rentner an, mit uns hinzufahren. Aber um 14 Uhr müsse er zurücksein, wichtiger Termin. Klar, Mittagessen. Als er dann sein Auto holte, brachte er noch einen Kumpel mit. So fuhren die beiden Opis mit uns auf 3700 Meter zum Paso de Cortes. Das ist die niedrigste Stelle zwischen den beiden Vulkanen, die schon Hernan Cortes 1519 bei der Eroberung des Aztekenreichs nutzte. Das Glück war uns nicht hold, es blieb bewölkt und wir haben keinen Vulkan gesehen. Dafür sind wir da oben eine Stunde gelaufen und die beiden haben uns nett unterhalten. Wir mussten natürlich unser Tempo etwas drosseln, aber bei der dünnen Luft war das vielleicht ganz gut.

Im Ort ist vom Erdbeben die Kirche am meisten beschädigt. Ein Turm ist halb abgefallen und der Glockenturm ist kurz vor dem Zusammenbruch. 

Nicht der tollste Urlaubstag, aber da wir in Mexiko-Stadt im Laufe der letzten Jahre alles Sehenswerte angeguckt haben, war das für unseren letzten Tag hier doch die beste Option. Aber halt, ein Taxifahrer erwähnte da ja noch ein Museum. Nein, da waren wir noch nicht. Aber naja, wir kommen ja sicher wieder… Hasta luego!

Bildungsministerium

Das Secretaria de Education Pública (SEP) ist in einem ehemaligen Dominikanerkloster untergebracht. Wie in vielen anderen öffentlichen Einrichtungen gibt es hier tolle Wandgemälde, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Man darf sich von den bewaffneten Türstehern nicht abschrecken lassen. Wenn man sagt, man würde gerne die Murales sehen, wird man freundlich eingelassen. Eintragung ins Gästebuch, Sicherheitskontrolle und man kann sich frei bewegen. Hier im Ministerium stehen die meisten Bürotüren offen, es ist ein freundliches Miteinander – so zumindest unser Eindruck. Aber deswegen waren wir ja nicht hier. Auf drei Etagen sind komplett alle Wände bemalt, davon fast alle von Diego Rivera. 1921 bis 1928 hat er das Ministerium verschönert. Im Erdgeschoss das berühmteste Bild ist Dia de los Muertos, im ersten Stock sind die Wissenschaften (passend zum Ministerium) und Wappen dargestellt, in der zweiten Etage stellt er im Uhrzeigersinn den Prozess der Revolution dar. Für uns wird Rivera immer mehr zum Mal-Monster. Wir haben jetzt schon so viele seiner Murales gesehen, unglaublich produktiv war der Mann.
Wir wollten ja diesmal in der Stadt nicht so viel laufen, aber es sind doch täglich rund 15 Kilometer. Und immer wieder sehen wir vom Erdbeben beschädigte Häuser, auch öffentliche Gebäude (wie der Palacio Bellas Artes) sind oft gesperrt, bis ein Gutachten zur Sicherheit erstellt ist. In all dem Trubel im historischen Zentrum haben wir ein wunderschönes Café entdeckt, ruhig und nett dekoriert. Mit Tosita waren wir später zum Mittagessen in ihrem Stammlokal. Und danach ging es mit dem Metrobus zurück ins Hotel. Genug gelaufen für heute. Hasta mañana!

Chapultepec-Park

Der Chapultepec-Park ist das Ausflugsziel am Wochenende, vor allen Dingen für Familien mit kleinen Kindern. Überall sind Stände mit Kram, wirklich Kram. Plastikferngläser für 10 Pesos (21 Pesos sind 1 Euro), Krönchen, Luftballons und Kinderschminken. Auf dem See kann man Tretboot fahren und der Eintritt in den Zoo ist umsonst. Wir wollten unbedingt die Pandas sehen. Angeblich essen die ja zwölf Stunden am Tag und man sieht im Internet immer lustige Videos, wo sie witzige Dinge tun. Tja, die beiden hier haben nur faul rumgelegen. Die größte Aktivität war ein Kratzen am Hintern. Und wir haben wirklich geduldig gewartet und sie mehrmals besucht. Die Flusspferde kacken überall hin, das Wasser sieht auch so aus, und es stinkt dort erbärmlich. Die Kinder finden aber immer die zahmen Eichhörnchen interessanter 😀.

So sind wir im anthropologischen Museum gelandet. Man kann eh nie die ganze Sammlung besichtigen, von daher war ein zweiter Besuch ganz gut. Der Sonnenstein, Piedra del Sol, ist hier Hauptanziehungspunkt und meist forografiert. Neu für uns war heute die Gruft von Pakal II aus Palenque. Im Innenhof des Museumsgebäudes ist eine riesige Dachkonstruktion mit Wasserinstallation. Wie ein Regenschirm, wo es in der Mitte reinregnet. Und bei manchen Selfies drängt sich während der zehn Sekunden Selbstauslöserzeit ein lächelnder Mexikaner in den Mittelpunkt.

Frida Kahlo, …

…Diego Rivera, taxistas y mas.

Unser Morgenspaziergang führte uns heute nach Coyoacán, einen schmucken Stadtteil von Mexiko. Hier sind hübsche ein- und zweigeschossige Häuser, herausgeputzte Höfe und Hauseingänge und das Casa Azul (blaues Haus), das Geburtshaus von Frida Kahlo. Inzwischen Museum der bedeutendsten mexikanischen Malerin. Fast jeder Besucher von Mexiko-Stadt will in dieses Museum. Ein Drittel ihrer Gemälde sind angeblich Selbstbildnisse gewesen und hier auch ein Großteil der ausgestellten Bilder (auf unseren Fotos ist irgendwie keins). Das Haus besteht aus mehreren Gebäuden und in der Mitte ist ein schöner Garten angelegt. Frida Kahlo lebte mit ihrem Mann Diego Rivera mehrere Jahre hier und so finden sich natürlich auch ein paar Riveras in der Ausstellung.

Von Diego Rivera haben wir in Mexiko schon viele tolle Wandgemälde bewundert, zum Beispiel im Nationalpalast und im Palacio Bellas Artes. So lag es nahe, dass wir im Anschluss noch das Museum Anahuacalli besuchten, das die Sammlung präkolumbianischer Kunst von Rivera präsentiert. Neben all seiner Malerei hat er 50.000 Objekte gesammelt. Er plante das Gebäude als Wohnhaus und zur Unterbringung für seine Sammlung. Als Rivera 1957 starb, befand sich das einer Pyramide nachempfundene Gebäude aus schwarzem Vulkangestein noch im Bau. Die Sammlung ist gigantisch und umfasst Werke aller präkolumbianischen Kulturen Mexikos. Im Obergeschoss sind einige Vorlagen zu großflächigen Zeichnungen Riveras ausgestellt. Vom Dach hat man bei gutem Wetter Blick auf die Vulkane, aber das war uns heute nicht vergönnt.

Im strömenden Regen sind wir dann über den Samstagsmarkt in San Ángel gelaufen. Nach der amüsanten Taxifahrt gestern, bei der der Fahrer uns noch Kaffee verkauft hat, war die Taxifahrt heute nicht ganz so lustig. Der Fahrer hatte es sehr eilig, machte mal eben eine zusätzliche Spur auf und fuhr hupend bei rot über die Kreuzung. Wir haben es überlebt.

Nach einem Mittagessen mit Tosita wollte sie uns durch das vom Erdbeben betroffene Viertel Colonia Roma führen. Sie meinte, wir sollten wissen und weitergeben, dass die schlimmen Bilder wahr sind. Und es sind nicht nur die eingestürzten Häuser, die einen betroffen machen. Es ist das Wissen der Schicksale, die dahinter stehen. Die vielen Menschen, die wirklich alles verloren haben und kein Dach mehr über dem Kopf haben. Überall sind Sammelstellen für Hilfsmittel und Zelte aufgestellt. Und es sind noch etliche Häuser, die unbewohnbar und gesperrt sind. Es sollen mehr als 400 sein. Wenn man den Eingangsbereich zu dem Gebäude sieht, in dem Tosita ihre Praxis hat, wird einem schon ganz anders. Das ganze Viertel wirkt wie betäubt, Straßen sind gesperrt und es ist beängstigend still. Gar nicht wie Mexiko.