Tag 6: Wo liegt das Ende der Welt?

Immer noch bereiten uns die Essenszeiten Probleme. „So ab zehn Uhr“, antwortete unser Vermieter gestern auf die Frühstücksnachfrage. Also müssen wir zweimal klein frühstücken, direkt nach dem Aufstehen mit Nescafé (dank mitgebrachtem Wasserkocher) und Teilchen aus der überraschenderweise schon ab acht Uhr offenen Bäckerei, und eben um zehn Uhr, offiziell. Da es nur ein kleines Pan Tostada mit Mermelada gibt, passt das schon. Zwischendrin machten wir einen Morgenspaziergang zu einer der westlichsten Kirchen Spaniens: Die Santuario da Barca liegt auf einem Felsen an der Spitze der Halbinsel von Muxia, und schert damit über 300 Grad an Wasser um sich. Hier soll die Heilige Jungfrau Maria einst an Land geklettert sein, um dem Apostel Jakob beizustehen. Nach dem Frühstück sind wir nach Kap Fisterra (Gallego; im Spanischen Finisterre) gefahren. Die Landzunge galt einst als „Ende der Welt“. Heute glauben immer noch viele, es sei der westlichste Punkt des europäischen Festlands. Dabei liegt das Cabo Roca bei Lissabon zirka 16,5 km weiter westlich und selbst das Cabo Touriñán, etwa 20 km nördlich von Fisterra, ragt weiter in den Atlantik hinaus und hat Fisterra die spanische Poleposition abgenommen. Damit wären die Koordinaten geklärt, was nichts daran ändert, dass die Touristenattraktion Fisterra, auch endgültige Endstation der Jakobswegpilgerer nach dem Erreichen Santiago de Compostelas, und der Gang um den Leuchtturm einen Stopp wert ist. Gleiches gilt aber auch für Touriñán, nur dass dort fast niemand hinkommt. Wir haben beide Kaps getestet, fotografiert und für gut befunden. Genauso wie den Strand zwischendurch. Auch das Mittagessen in einem Restaurant im Hafen von Fisterra war lecker – halt nur ab 14.30 Uhr…

Print Friendly, PDF & Email

Tag 7: Auf Steinsuche

Was macht man in Galicien, wenn es morgens schon Bindfäden regnet? Man zeigt kulturelles Interesse. Wir haben uns nach dem Blick aus dem Fenster für eine Fahrt durchs Landesinnere entschieden, sind bei kleinen Castillos und Iglesias vorbeigekommen und schließlich auf die „Ruta dos Dolmens“ abgebogen. Das ist eine nicht besonders kräftig vermarktete, aber gut beschilderte (Auto-)Route zu sieben Megalithbauten (ca. 4.000 bis 2000 v. Chr.). Jeweils vor Ort mussten wir abseits der Straßen die großen Steine suchen. Hat Spaß gemacht, auch wenn wir nachher stellenweise nass bis auf die Haut waren. Und was macht man in Galicien, wenn es auch nachmittags noch regnet? Siesta – ohne Fotobeweis.

Print Friendly, PDF & Email

Tag 8: von Muxia nach Camarinas

Heute konnten wir uns die Kirche von Muxia endlich mal von innen ansehen. An der Decke hängen überall Schiffsminiaturen, die Fischer, die aus Seenot gerettet wurden aus Dankbarkeit gespendet haben.

Den Vormittag verbrachten wir bei strahlendem Sonnenschein in einer kleinen Bucht bei Muxia.

Nachmittags wollten wir einen Ausflug nach Camarinas machen. Den Ort liegt gegenüber von Muxia, ist über die Straße aber erst nach 25 km zu erreichen. Auf dem Weg liegt Ponte do Porto, wo gerade ein riesiges Fest stattfand. Wie schon in Comillas war eine riesige Bühne aufgebaut und eine Showband sorgte für Stimmung. Die Leute hatten sich alle schön fein gemacht und genossen ihre Fiesta.

In Camarinas fuhren wir raus zum Leuchtturm. Danach wollten wir das Sardinenfest im Hafen besuchen, aber nachdem wir zwei Stunden die Vorbereitungen begutachtet hatten, beschlossen wir, lieber doch zu dem Fest nach Ponte zu fahren. 19 Uhr zurück in Ponte: Kein Fest mehr, alle am abbauen. Da wird ein Vergnügungspark und eine gigantische Bühne in den Ort geholt und das Fest geht nur nachmittags.

Also zurück nach Muxia und ein Bierchen in gewohnter Umgebung getrunken. Beim Warten auf den Sonnenuntergang mussten wir uns dann etwas beschäftigen.

Heute fahren wir weiter nach Santiago de Compostela.

Print Friendly, PDF & Email

Tag 9: Santiago de Compostela

Nach Bergen und Meer kommt jetzt die Stadt dran: zwei Tage Santiago de Compostela. Unser erster Rundgang durch die überschaubare und deswegen gut zu Fuß zu erkundende Innenstadt (ist ja auch durchweg Fußgängerzone!) führte natürlich zur Kathedrale. Beeindruckend, auch wenn das Portal la Gloria mit seinen über 200 Heiligenfiguren gerade zwecks Erhaltung von einem Baugerüst verdeckt wird. Wir sind auch am Sarg des Apostels Santiago (Jakob) unter dem Hochaltar vorbei gepilgert, auf den Kuss seines Mantels haben wir dann aber verzichtet. Die Zahl der Pilger auf dem Vorplatz hätten wir höher eingeschätzt. Und von vielen sehen Schuhe und Hosen noch so aus, als hätten sie keine hundert Kilometer zurückgelegt. Neben der Kathedrale, weiteren kleinen Kirchen und seinen engen Altstadtgassen überzeugt uns Santiago vor allem mit seinen kleinen Plätzchen, die meist ein Café haben, wo einige Stühle in der Sonne einladen. Am Nachmittag und Abend haben wir davon reichlich Gebrauch gemacht, während die Spanier innen saßen, um das Wimbledon-Finale zu schauen.

Print Friendly, PDF & Email

Tag 10: Über Gargantas do Sil und Las Medulas nach Ponferrada

Wir haben morgens Santiago de Compostela über die Autobahn verlassen und sind dann bei Ourense auf eine kleine, weil landschaftlich schöne Nebenstraße abgebogen. Rund 100 Kilometer ging es auf und ab, sehr kurvig und teils in Serpentinen die Gargantas do Sil entlang. Das ist ein ziemlich tiefer Canyon, der das aufgestaute Flüsschen Sil führt. Immer wieder gab es Atem beraubende Ausblicke hinunter. Danach haben wir auf dem Weg zu unserem Tagesziel Ponferrada in Kastilien-Leon noch Las Medulas besucht, ein Gold-Minen-Gebiet aus römischer Zeit. In dem mehrere Quadratkilometer großen Areal sollen Zehntausende Sklaven gearbeitet haben. Um das Edelmetall aus dem orangefarben leuchtenden Gestein zu graben, haben die Römer die Hügel geflutet, bis sie auseinander brachen. Heute übrig geblieben ist eine zerklüftete Landschaft (auch Unesco-Weltkulturerbe), die einen ans Canyonland im Südwesten der USA erinnert. Auf einem kleinen Pfad kann man das Gebiet ablaufen. In Ponferrada schließlich haben wir abends noch das städtische Schmuckstück angeschaut: eine Templerburg, die ab dem 12. Jahrhundert errichtet wurde, um den Jakobsweg zu sichern. Nachfolgend die schönsten Motive eines schönen Tages.

Print Friendly, PDF & Email